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25.04. 2004 bis 13.05.2004

Überführung unserer „MS Helena“ von Roermond (NL) an der Maas nach Schweich an der Mosel

Für unseren Überführungstörn haben wir uns die Route über die Maas ausgesucht durch Frankreich und nicht den Rhein, da dieser von Frachtverkehr doch stark frequentiert wird. Zudem sind wir große Frankreich-Fans, die die Beschaulichkeit und auch die gute Küche Frankreichs zu schätzen wissen.

Sonntag, den 25. April 2004

Mit einem, bis in den letzten Winkel vollgepackten Auto ging es gleich früh morgens auf direktem Weg nach Roermond/Niederlande zur Firma Schepenkring, wo unser Boot, die MS Helena lag. Nachdem alles eingeräumt war, genossen wir die Abendsonne an Bord auf der Maas. Das Wetter war herrlich und infolge dessen gab es sehr viele Wassersportaktivitäten auf dem Fluss. Aufgrund von einigen Reparaturen und wegen Dieselmangel konnten wir erst am folgenden Tag losfahren.

Die Maas

Bereits vor 750 Jahren wurde rechts und links der Maas in großen Mengen Ardennenschiefer abgebaut. Heute wird hier kein Schiefer mehr abgebaut, die letzten Schieferbrüche wurden 1971 stillgelegt. Wie in den Seitentälern der deutschen Mosel liegt der Grund des Ruins klar auf der Hand: Durch arbeitsintensive, hohe Lohnkosten verursachende Abbau- und Verarbeitungsmethoden war der Ardennenschiefer nicht mehr konkurrenzfähig. Genauso wie in Deutschland dominiert seither auch in Frankreich der preisgünstige nordspanische „Iberoschiefer“.

Montag, den 26. April 2004

Gleich nach dem Frühstück stand einmal die Inspektion des Motors und ein Probelauf auf dem Programm. Unser, übrigens sehr netter Verkäufer der Firma Schepenkring, riet uns, das Wasserrad (zuständig für das Ansaugen von Wasser zur Kühlung Motors auszubauen, um zu sehen, was für ein Typ es ist und wir uns vorsichtshalber Ersatz mitnehmen sollten. Dieser Ausbau war eine schweißtreibende Angelegenheit und dauerte seine Zeit. Um 11 Uhr war endlich alles in Ordnung und wir legten ab. Zuerst ging es zur Bootstankstelle im 10 Minuten entfernten Hafen De Rosslag, wo unser erstes Anlegemanöver mit dem eigenen Boot sehr gut klappte. Nach einer Stunde ging ging es dann los. Wir fuhren auf der Maas (Gesamtlänge des Flusses: 925 Kilometer; schon seit 2000 Jahren hat sie einen direkten Weg zu den Nordseehäfen!) in Richtung Maastricht. Es ging durch drei große Schleusen (Hubhöhe je Schleuse 12-14 Meter!!)  Es sind schon imposante Bauwerke, diese Schleusen. Wie klein ist man mit einem Motorboot, wenn man in Bergfahrt in die Schleusenkammer einfährt und die schier endlosen Wände hinaufschaut!  Die erste Schleuse von der Maas in den Julianakanal   hat gut geklappt; in der zweiten leisteten wir uns eine Drehung auf engstem Raum, weil ich den Anlegepoller mit meinem Haken nicht gleich erreicht hatte und das fehlende Bugstrahlruder erschwerte das Navigieren. Ein Berufsschiff war mit uns in der Schleuse und musste auf uns warten. Ich glaube, dass das dem Schiffsführer des Frachtschiffes nicht viel ausgemacht hat, aber von der Schleusenwärterin bekamen wir eine kleine Rüge von wegen, dass Zeit Geld ist für die Berufsschifffahrt. Weiter ging die Fahrt über den breiten und von der Berufsschifffahrt sehr stark frequentierten Julianakanal nach Maastricht. Der Kanal war nicht so gemütlich wie die Kanäle, die wir von Frankreich her kannten; das Wasser kam gar nicht zur Ruhe – das reinste „Kabbelwasser“! Zudem sah man von der Gegend nichts, weil die Böschung des Kanals recht hoch war. Es war schon Abend und wir machten im Yachthafen von Masstricht fest. Leider konnten wir nicht aus dem Gelände des Yachthafens heraus. Es war alles eingezäunt und der Hafenmeister hatte schon Feierabend gemacht. Wir bereiteten uns also ein Abendessen an Bord zu: Zwieback und Käse! Mehr war nicht da, denn eigentlich wollten wir in Maastricht einkaufen gehen. Wir hatten übrigens den ganzen Tag herrliches Wetter.

Maastricht

Maastricht ist die Hauptstadt Limburgs. Spätestens seit 1992 ist Maastricht für jeden ein Begriff, und der Vertrag über die Europäische Union hat der limburgischen Kleinstadt etwas von einer Europa-Stadt verliehen, wie Brüssel, Strassburg und Amsterdam. In der „kleinsten Metropole Europas“ findet man typische Steinhäuser aus Mergel, Hausboote, gemütliche Kneipen und jede Menge von Fahrradfahrern.  Jedes Volk, das schon mal hier war, hat architektonische Spuren hinterlassen. Man geht zu Fuß durch ein lebendiges Geschichtsbuch. Schon zur Römerzeit war Maastricht eine strategisch wichtige Drehscheibe. Auf dem mittelalterlichen Platz „Op de Thermen“ kann man an dem farbigem Kopfsteinpflaster erkennen, wo sich damals die Thermen befanden. Wer die 2000 Jahre alten Steine noch näher betrachten will, kann sonntags im Keller eines Hotels neben der Kirche Onze Lieve Vrouw zwischen einem römischen Brunnen und Teilen eines Jupiter-Tempels Kaffee trinken! Wer es lieber moderner mag, der geht auf die andere Maas-Seite in das Ceramique-Viertel, dem neuen Stadtteil mit futuristischen Büro- und Wohngebäuden und dem eindrucksvollen Bonnefantenmuseum.

Dienstag, den 27. April 2004

Heute Morgen war endlich der Hafenmeister da und wir konnten im Yachthafen  Maastricht (mit Campingplatz) duschen. Und die Pforten waren offen. Der Hafenmeister sagte uns, dass sich ein kleines Lebensmittelgeschäft fünf Gehminuten entfernt befindet. Hier wurde eingekauft, damit wir abends nicht wieder Zwieback essen mussten! geben sollte. Nach dem Frühstück ging es dann weiter. Mir wurde es bei dem Gedanken an die nächste riesige Schleuse schon ganz flau im Magen. Und schon nach kurzer Fahrt sahen wir sie auch schon - die Grenzschleuse zu Belgien: Schleuse Lannaye mit einer Hubhöhe von 13,68 Meter. Aber, wie Jürgen immer zu sagen pflegt: „Nur nicht vorher verrückt machen, alles auf sich zukommen lassen!“, verlief die Schleusung ohne Zwischenfälle. Nach dem Hochschleusen fragte ich den Schleusenwärter nach der Gebühr für die belgischen Schleusen. Da jedoch der Schleusenwärter gerade zu Mittag aß, winkte er ab. Unverrichteter Dinge ging ich zurück an Bord. Wir fuhren nun auf dem Albertkanal, der genau wie der Julianakanal von vielen Berufsschiffen befahren wurde; das Wasser war hier genauso kabbelig  wie im Julianakanal. Gegen Mittag legten wir kurz in Lüttich an. Auf einem kleinen Rundgang kamen wir an einer kleiner Pommes-frites Bude vorbei. Angeblich soll es hier die besten Pommes der Welt geben! Es gab heute also Pommes-Frites mit Ketchup. Lecker !! 

Lüttich hat den zweitgrößten Flusshafen Europas und ist bedeutender Autobahn- und Eisenbahnknotenpunkt; außerdem wartet Lüttich ungeduldig auf den TGV. Zudem kann es stolz sein auf sein Weltraum-Forschungszentrum mit Höchstleistung, das u.a. dazu beiträgt, dass wissenschaftliche Experimente in der amerikanischen Raumfähre Challenger ausgeführt werden können. Das „Kleine Frankreich an der Maas“, hört immer noch die vor 25 Jahren auf den Treppen des Rathauses von Präsident Pompidou ausgesprochenen Worte „Nie habe ich das Herz Frankreichs so stark schlagen hören wie hier!“ Der 14. Juli (Frankreichs Nationalfeiertag) ist ein Lütticher Fest!

Nach dieser kleinen Pause sind wir weitergefahren und kamen an Orte wie Jemeppe und Seraing vorbei.

Auch hier auf der Maas gibt es viel Berufsschifffahrt. Wir fuhren stundenlang, aber es gab keinen Anlegeplatz, keinen Seitenarm und keinen Yachthafen. Nur Poller für die Berufsschifffahrt direkt an der Maas. Wir fuhren bis zur Schleuse Ivoz-Ramet. Das Berufschiff, das wir schon von der vorherigen Schleuse kannten, fuhr wieder vor uns in die Schleuse ein. Als wir dann in der Schleuse auch festgemacht hatten, passierte es: Das eine Schleusentor ging nicht richtig zu. Der Schleusenwärter informierte uns, dass erst ein Techniker kommen müsste, was Stunden dauern könnte. Wir dachten schon, wir müssten in der hier nächtigen. Jedoch nach kurzer Zeit kamen ein Techniker und ein Taucher. Angeseilt stieg dieser die Leiter an der Schleusenmauer hinunter und tauchte unter das Schleusentor – Das Wasser war hier eine gelbe trübe Brühe, richtiges Brackwasser. Der Defekt war wohl ein großer Gegenstand oder etwas anderes, was sich unter das Schleusentor festgesetzt hatte. Es wurde hinter dem Schleusentor mit viel Kraftaufwand herausgezogen. Wir konnten aber  nicht erkennen, was es war. Nach einer Stunde konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Gleich hinter der Schleuse haben wir dann im gleichnamigen Ort angelegt, genau gegenüber einem Atomkraftwerk. Wir hatten heute wieder herrliches Wetter.

Mittwoch, den 28. April 2004

Nach einem guten Frühstück legten wir um 8.30 Uhr ab. Nachts hatte es etwas geregnet, jetzt war es aber wieder trocken, nur windiger als gestern. Die Landschaft war heute von Industriegebiete geprägt. Wir schipperten vorbei an Amay und Huy. Danach wurde die Gegend wieder interessanter. Wunderschöne kleine Ortschaften und eine malerische Landschaft zogen an uns vorbei. Wir passierten Andenne und Marche les Dames, wo König Albert am 17. Februar 1934 den Tod beim Bergsteigen an den Felswänden fand; ein Kreuz erinnert an das Unglück. Hinter Vezin kam die Schleuse Grand Malades = Große Schmerzen (warum immer die auch so heißt!). Hier bezahlte ich die Gebühr für die belgischen Schleusen:  1,05 Euro. Ab jetzt musste ich mir dann an jeder Schleuse einen Stempel geben lassen. Namur kam in Sicht, wo wir am Port de Jambes (der neue Sportboothafen befand sich in der Entstehung) gegenüber der Festung angelegten. Die neuen Stege waren schon da; nur die restlichen Service-Einrichtungen funktionierten noch nicht. Strom konnten wir keinen bekommen, weil wir nicht den richtigen Anschlussstecker hatten. Diesel zu tanken war nicht möglich, weil die Pumpe an der Tankstelle noch nicht da war. Nach Auskunft des Hafenmeisters gab es aber auf der anderen Maasseite  eine Tankstelle. Was blieb uns übrig - wir sind also mit dem Fahrrad und Benzinkanister los und haben 40 Liter Diesel geholt und in den Tank gekippt. Das sollte bis zur französischen Grenze reichen. Schiffsdiesel wird in Belgien subventioniert und ist extrem billig (immer die Quittungen aufbewahren, denn man den Diesel nicht ausführen!). Leider kamen wir nicht in den Genuss! Danach bummelten wir durch den Namurer Stadtteil Jambes. Während dessen haben wir in einem Cafe belgisches Bier probiert. Abendessen gab es wieder an Bord.

Namur wird von der Zitadelle aus dem 17. Jahrhundert beherrscht. Hier fließt die Sambre in die Maas, am Zusammenfluss findet man die Statue von Albert I. Wir sind hier in den belgischen Ardennen, im Land der Göttin Arduinna. Diese Wald- und Berglandschaft ist eine der „Grünen Lungen Europas“. Die Keltengöttin Arduinna ist der  römischen Diana vergleichbar, der Göttin der Wälder und der Jagd.  Ihre Zeit ist längst vergangen, doch ihr Name lebt weiter im Namen einer der größten Waldgebirgslandschaften Mitteleuropas, den Ardennen..

Donnerstag, den 29. April 2004

Ohne zu duschen und ohne unsere Liegegebühren (Hafenmeister war nicht auffindbar) legten wir bei bewölktem, windigem und viel kühlerem Wetter um kurz nach 9 Uhr ab. Wir fuhren auf relativ „glattem Wasser“ vorbei an Wepion, Taifer, Riviere (hier gibt es den Aussichtspunkt „Sept Meuses“) , Hun, Yvoir, Bouvignes, Dinant, Waulsort bis nach Givet. Von Dinant bis zur französischen Grenze findet man am Ufer viele Steilwände, die der Landschaft einen wilden Charakter geben. So früh im Jahr waren auch sehr wenig Sportschiffer unterwegs. Nur ab und zu begegnete uns ein anderes Hausboot.Wir näherten uns langsam der Grenze zu Frankreich. An der letzten belgischen Schleuse Hastiere muß die abgestempelte Quittung für die 

belgischen Schleusen wieder abgeben werden. Aber es war wieder  Mittagszeit und der Schleusenwärter ebenfalls mit seinem Mittagessen beschäftigt. Dieser winkte ab, als ich ihm die Quittung zeigte und ich durfte diese als Souvenir behalten. Man hatte uns gesagt, dass man kurz vor der französischen Grenze tanken konnte. Natürlich, wie sollte es auch anders sein, war an der Tankstelle die Pumpe kaputt und man wartete auf einen Techniker. Also wieder mit dem Fahrrad zur nächsten Tankstelle und wieder mit zwei geliehenen Kanistern Diesel geholt. Wieder normaler Diesel, kein roter, in den Genuss des Billigtankens in Belgien kamen wir wieder nicht! Beim Befüllen des Tankes bemerkten wir, das dieser voll war. Unerfahrenheit eben, weil wir nicht wussten, wie viel Diesel in Roermond noch im Tank war und wir diesen auch nicht ausloten konnten. Wir hatten uns also umsonst gequält und Sorgen gemacht. Den Rest des Diesel füllten wir in einen ausgedienten Kanister. 

Wir erreichten die Grenze zu Frankreich und gleich darauf die Schleuse Givet. Hier gab es die Vignette für das Befahren der  französischen Wasserstrassen. Wir entschieden uns für die Vignette Nr. 3 für die Ferien, die für 6 auf einander folgenden Tagen gilt zu einem Preis von 50,50 Euro. Außerdem wurde uns eine Fernbedienung für die nachfolgenden automatischen Schleusen ausgehändigt. Um 19 Uhr legten wir in Givet an der Kaimauer an. In einer Pizzeria aßen wird zu Abend. Wie oben schon angemerkt, fehlte uns der richtige Stecker, um in den Häfen Strom zu bekommen. Handyladen ging also nicht. Dies erledigten wir während des Essens in einem Restaurant oder in einer Bar während eines oder zwei Glas Bier. Wir baten auch heute Abend die Kellnerin darum. Natürlich durften wir. Die Tische in dieser Pizzeria waren alle mit kleinen Tischlämpchen ausgestattet. Um unser Handy zu laden mussten wir jedoch den Stecker des Tischlämpchen rausziehen. Ein anderer Kellner sah, dass unser Tischlämpchen nicht mehr brannte, wusste aber nichts von unserem Handy. Sofort kam er mit einer neuen Glühbirne und wollte sie wechseln. Wir klärten den Irrtum natürlich sofort auf, fanden es aber sehr aufmerksam von ihm.

In Givet gibt es die Festung Charlemont, die von dem Festungsbaumeister Sonnenkönigs, Vauban (1633-1707), errichtet wurde.  Seit 1962 wird das Fort wieder militärisch genutzt und dient heute als Ausbildungsstätte für Sondereinheiten. Im hiesigen Centre Europeen des Metiers d’Art kann man die Werke der Kunsthandwerker bewundern und auch kaufen. Rechts der Maas befindet sich Givet-Notre-Dame, das einstige Industrieviertel, auf dem linken Ufer liegt Givet-St-Hilaire mit seinen alten Strassen. Über den Glockenturm schrieb Victor Hugo: „ Der ehrenwerte Architekt hat die quadratische Mütze eines Priesters oder Advokaten genommen, darüber eine Salatschüssel gestülpt, auf den Boden der Salatschüssel eine Zuckerdose gestellt, auf die Zuckerdose eine Flasche, auf die Flasche eine Sonne, deren unterster Strahl im Flaschenhals steckt, und schließlich hat er auf die Sonnen einen Hahn gesetzt...“.

Freitag, den 30. April 2004

Am Kai in in Givet gab es auch keine Duschen. Vor dem Ablegen fuhren wir mit den Fahrrädern zum örtlichen Wochenmarkt um einzukaufen. Mit aufgefüllten Vorräten fuhren wir bei bewölktem Himmel aber warmen Temperaturen los. Wieder erlebten wir eine wohltuende und wunderschöne Landschaft. Bei Schleuse Nr. 54 in Pepin wartete ein kleiner Hund mit einem Holzstück im Maul auf uns, der schon während des Schleusenvorgangs spielen wollte. Wir fuhren heute bis Fumay und legten schon um 15 Uhr an. Heute kamen wir vorbei an Ham (mit dem Tunnel), Aubrives, Vireux und Haybes.

Tunnel von Ham

Auf unseren ersten Kanaltunnel waren wir beide sehr gespannt: Erst ging es in die mit Personal bediente Schleuse, deren Wände aus unregelmäßig verputzten  Naturstein bestanden. Die Taschenlampe schon griffbereit sahen wir knapp 200 Meter nach der Schleuse und direkt nach einer leichten Kurve die Tunneleinfahrt. Es war ganz schön spannend, mit einem Boot durch einen Kanaltunnel zu fahren. Der Tunnel war 565 Meter lang, hat keine Beleuchtung, aber unser Suchscheinwerfer leuchtete alles gut aus. Der Tunnel ist ganz gerade und hat eine Breite von 5,8 Meter; bei der Einfahrt sieht man am anderen Ende schon die Ausfahrt als einen hellen Punkt, der immer größer wird. Dieser Tunnel schneidet einen weiten Maasbogen ab.

Fumay liegt auf einer von der Maas umflossenen Anhöhe. Das  hiesige Schiefermuseum (Musee de l’Ardoise) ist im ehemaligen Karmeliterkloster untergebracht  und erinnert an acht Jahrhunderte harter Arbeit der Bergleute im Schiefer. Ein Flachrelief von Georges-Armand Favaudon erinnert im Ort an die Schieferarbeiter.

Nach dem Anlegen in Fumay sind wir an der Maas Fahrrad gefahren. An Bord gab es abends Crevetten und Pommes-Frites, die wir an der Frittenbude am Anleger kauften. Die Bude öffnete gegen Mittag und es war immer Betrieb dort. Abends mussten wir noch Wasser bunkern, aber es fehlte der Schlauch. Aber man weiß sich ja zu helfen! Jürgen hat mit einem Eimer 200 Liter Wasser geschleppt. Rein ins Boot – raus dem Boot , usw. Danach besuchte uns eine Dame von der Capitainerie, die uns mitteilte, dass wir am anderen Morgen unsere Liegegebühr bezahlen sollten. Schräg gegenüber vom Anleger befand sich die Capitainerie in einem schön restauriertem Fachwerkhaus, wo sich im Obergeschoß die Duschen, Toiletten, Waschmaschine und Trockner befanden. Vorbildlich! 

Samstag, den 1. Mai 2004

Aufgrund des Feiertages und der damit verbundenen Schleusenruhe blieben wir auch heute in Fumay liegen. Wir hatten schönes Wetter und machten eine Wanderung zu einem Aussichtspunkt, von wo wir einen schönen Blick auf Fumay und die Mäander der Maas hatten.

Hier in den Ardennen gibt die Natur den Ton an. Es ist eine unverfälschte Naturlandschaft aus Wiesen und Wäldern, durch die sich ruhige Flussläufe ziehen. Die Bezeichnung Ardennen heißt „tiefer Wald“. Nicht weniger als drei Viertel des Gebietes um Maas und Semoy sind mit Laub- und Nadelwäldern bedeckt. Ein heute noch anzutreffender Waldbewohner ist das Wildschwein, gleichzeitig das Symbol des Departements.

So natürlich wie die Landschaft präsentiert sich auch die lokale Küche. Eine gute Ardenner Mahlzeit beginnt mit dem Ardenner Schinken oder der boudin blanc aus Rethel. Bereits vor drei Jahrhunderten kreierte der Küchenchef von Kardinal Richelieu die weiße Wurst aus frischem Schweinefleisch, Eier und Milch. In Butter gedünstet, am Holzofen gegrillt oder im Teigmantel. Von der Entstehung dieser Wurst gibt es eine Geschichte: Weil der Offizier Chamarande gegen das Duellverbot des Kardinals und Regierungschefs Richelieu verstieß, flüchtete er in die Wälder der Ardennen. Dort eröffnete er eine Metzgerei und entwickelte das Rezept für die „Weißwürste“. In Rethel wurde diese Wurst zum ersten Mal verkauft. In der Hauptstadt der boudin blanc findet alljährlich im April ein Markt statt, wo es um die Wurst geht und wo ein  Wettbewerb denjenigen kürt, der die meiste Wurst am Stück essen kann! Der berühmte Ardenner Schinken, der das Gütesiegel mit dem Wildschwein trägt braucht 270 Tage Reifezeit.  Für den Käsegang empfiehlt sich ein ausgereifter Rocroi-Käse, der von der Geschmacksrichtung dem bei uns bekannten Munsterkäse ähnelt..Zum Dessert gibt es „galette au sucre“, ein Zuckerkuchen aus Hefeteig. Eine süße Variante ist der „gateau mollet“, ein leichter Hefeteigkuchen in Guglhupf-Form, der noch nach Omas Geheimrezept gebacken wird. Die „Escailles d’Ardois“, die mit blauem Zuckerguss überzogenen „Schiefersteine“ kann man als Souvenir in den Confiserien erstehen. Und weil hier Wildschwein immer dabei sein muss, wird ganz zum Schluss noch ein kleines Wildschwein aus dunkler Schokolade serviert. Vor Ort gekeltert und ungefiltert abgefüllt wird der Cidre in Suzanne oder Tourteron. Zum Essen trinkt man in den Ardennen auch schon gerne mal ein Bier.

Sonntag, den 2. Mai 2004

Nach ausgiebigem Frühstück und anschließendem Duschen legten wir um 9.30 Uhr in Fumay ab. In gemächlicher Fahrt glitt die  wunderschöne Waldlandschaft bei herrlichem Wetter an uns vorbei. Wir kamen vorbei an Revin, Anchamps, Deville, Montherme, Chateau Renault, Braux, Joigny sur Meuse, Nouzonville bis Charlesville-Mezieres, der Stadt der Marionetten und Puppenspieler. Eigentlich wollten wir hier anlegen; haben dann aber die Einfahrt zum Port de Plaisance verpasst (es geht schon vor der Schleuse ab!). In der ersten Schleuse in Charlesville musste unsere Helena wieder Lack lassen; die Schleuseneinfahrt befindet sich direkt in einer Kurve. Nach fast neun Stunden Fahrt sahen wir einen nagelneuen Sportbootanlager beim Sportplatz außerhalb des Ortes in Lumes. (Steht übrigens im Führer Guide Vagnon noch nicht drin). Wir lagen hier ganz ruhig; nur ein einsamer Jogger zog auf der Aschenbahn des Sportplatzes seine Runden.   

Les Dames de Meuse: Hinter Anchamps, bei der Schleuse 48, verläuft der Höhenzug les Dames de Meuse fast parallel zum Fluss. Durch seine sehr düsteren Farben und starken Erosionsspuren wirkt er etwas bedrohlich. Er erreicht eine Höhe von 393 Meter und fällt zur Maas hin 250 Meter steil ab. Über diese Damen gibt es eine Legende: Es gab einst drei Ritter, die zum Kreuzzug aufgebrochen waren und nicht ahnten, dass sich ihre Gemahlinnen schon bald mit unredlichen Galanen ehebrecherisch einließen. Doch als die kirchentreuen Recken, nach mancherlei Anstrengungen im Heiligen Land, endlich Jerusalems Mauern überstiegen, sandte Gott augenblicks ein furchtbares Strafgericht über die ungetreuen Frauen daheim: Er verwandelte sie in drei hohe Felsen, die bis heute als die „Dames de la Meuse“ im grünen Kleid der Bäume das Maasufer überragen.

Eine weitere Legende den Ort Chateau-Regnault betreffend und die Zacken des Haimonskinderfelsens lautet:  

Die Orte am Ufer und die felsigen Aussichtspunkte sind mit der Geschichte von den Vier Haimonskindern (Quatre Fils Anonym) verknüpft, die auf ihrem gewaltigen Wunderross Bayard zu heroischen Abenteurn und Waffengängen wider Karl dem Großen ausgeritten sind. Auf dem Hügelrist von Chateau-Regnault erscheinen sie in Gestalt von vier Gesteinszacken verewigt. Und aus einem Brocken am Steilhang hat ein Bildhauer den weithin sichtbaren Korpus des Gefechtshengstes und seiner Reiter heraus gemeißelt. Der frühmittelalterliche Haimonskinder-Sagenstoff wurde übrigens 1535 zum ersten Mal in deutscher Sprache gedruckt von Hieronymos Rholdler zu Simmern im Hunsrück.

Montag, den 3. Mai 2004

Auf unserem Törn passierte uns vermutlich alles, was passieren konnte. Erst der Diesel, dann das Wasser und jetzt die leere Gasflasche. Also Frühstück ohne Kaffee. Unsere Rettung war Pont-a-Barr am Ardennenkanal mit einer Firma für Bootszubehör.Durch zwei Schleusen fuhren wir in diesen Kanal hinein. Gasflaschen gab es aber nur im benachbarten Cafe zu total erhöhten Preisen; zudem kauften wir uns eine France-drapeau (Fahne) für unser Boot. Glücklicherweise passte die Gasflasche und nach ca. 1 Stunde konnten wir weiterfahren.  Das Wetter war heute durchwachsen. Am frühen Nachmittag legten wir in dem kleinen Ort Mouzon an. Im Ort war der Supermarkt montags immer geschlossen, aber wir hatten ja unsere Fahrräder und fuhren mit diesen zu dem neun Kilometer entfernten Ort Cargnan. Die Fahrt war eine Tortour – berg rauf, berg runter usw. Um 18 Uhr waren wir zurück, wo uns das Abendessen richtig gut schmeckte. Heute Abend hat Jürgen zum ersten Mal die Weißwurst aus den Ardennen gegessen – hat ihm gut geschmeckt.

Bis Mouzon sind wir bereits durch 47 Schleusen gefahren!Mouzon liegt auf einer Insel zwischen der Maas und dem Canal de l’Est. Hier befindet sich noch eine Filzerei, die letzte in Frankreich, 

die Filz für die Industrie herstellt. Im Filzmuseum, eingerichtet im  ehemaligen Gehöft einer Abtei, lernt man die Geschichte und die Herstellung des Filzes kennen.

Sehenswert sind auch hier die alten spanischen Häuser, die noch von der Belagerung der Spanier im Jahre 1650 erinnern. Der Bau der Eglise Notre-Dame wurde im 12. Jahrhundert begonnen; endgültig fertiggestellt wurde die Kirche  jedoch erst im 15. Jahrhundert. Links der Kirche stehen  die ehemaligen Abteigebäude in denen heute ein Altersheim untergebracht ist. Drumherum findet man herrliche französische Gärten, die zu einem Spaziergang einladen.

Vous etes en Lorraine – Sie befinden sich in Lothringen

Wenn Asterix und Obelix der Hunger übermannte, fingen sie sich ein Wildschwein (oder auch zwei), brieten es auf offenem Feuer und verdrückten es schnell. Zum Runterspülen gab es ab und zu ein Bier, das traditionelle Getränke der Gallier. Heute würden sich diese beiden wundern: Trinken die Franzosen doch meist Wein zum Wildschwein und Champagner als Aperitif. Aber nicht in ganz Frankreich! Denn eine Region im Osten hält die Bier-Tradition hoch. In Lothringen gibt es noch viele Brauereien und in vielen Lokalen ist die Liste der Biersorten länger als die der Rebsäfte.

Dienstag, den 4. Mai 2004

Zum Frühstück frisches Baguette (lecker!) und Kaffee, das weckt die Lebensgeister. Wenn wir gewusst hätten, was uns heute noch erwartet, hätten wir vielleicht nicht schon um 9.40 Uhr abgelegt. Denn an der Schleuse 32 sagte uns ein Mitarbeiter der VNF, dass drei Frachtschiffe vor uns sind. Wir machten dann langsame Fahrt und sind  bis Stenay im Schneckentempo hinter so einem Frachtschiff her. In Stenay machten wir aus diesem Grunde Mittagspause. Hier befindet sich das Europäische Biermuseum, was jedoch immer dienstags geschlossen hat. Schade! Trotz dem sahen wir uns das Gebäude und auch den neu angelegten Kräutergarten des Biermuseums an. Das Museum ist eines der größten in Europa und einmalig für Frankreich. Um 15 Uhr fuhren wir dann weiter - die Frachtschiffe war nicht mehr zu sehen. Gegen 16.45 Uhr erreichten wir den Ort Dun sur Meuse, wo wir für die Nacht festmachten. Dieser Ort mit seiner Kirche auf dem Berg wurde 1918 bei der Befreiung durch die Amerikaner fast ganz zerstört. Der ältere Teil des Ortes liegt auf einem Hügel, auch die alte Wehrkirche, von deren Vorplatz man weit über das Maastal blicken kann. Abends haben wir einen kleinen Spaziergang durch den Ort gemacht und sind auch zur Kirche hochgestiegen. Leider war diese abgeschlossen. Es hing zwar ein Schlüssel am Band an der Tür, der passte aber leider nicht. Nach dem Abendessen hat Jürgen wieder mit Eimer Wasser gebunkert.

Mittwoch, den 5. Mai 2004

Heute wollte unser Sohn Michael zu Besuch kommen. In Dun sur Meuse legten wir um 9.40 Uhr ab. Kurz vorher hat uns ein Mitarbeiter der VNF nach dem Zeitpunkt unser Abfahrt gefragt. Den Grund dafür wussten wir zwei Schleusen weiter: Wir mussten unsere Fernbedienung für die Automatikschleusen abgeben (Schleuse Nr. 27). Gegen 11.15 Uhr erreichten wir die Schleuse Consenoye mit ihren schrägen Schleusenwänden; neuerdings ist diese Schleuse jedoch mit einem Schwimmsteg ausgestattet, so dass das Schleusen ganz unproblematisch geht. Hier kam Michael an Bord. Ich bin dann von Bord und mit dem Auto bis Verdun gefahren. In einem Vorort habe ich in einem großen Supermarkt in aller Ruhe eingekauft. Danach bin ich nach Verdun hinein gefahren, um schon einmal einen Liegeplatz auszukundschaften. Der Port de Plaisance in Verdun liegt mitten in der Stadt; nicht einmal mit dem Auto kommt man in die Innenstadt, aber mit dem Boot! Wir hatten einen Liegeplatz im Herzen der Stadt, gegenüber dem Hotel de Ville. In dem 1623 erbauten Rathaus befindet sich ein kleines Kriegsmuseum. Jürgen und Michael legten hier um 16.15 Uhr an. Die Meuse ist hier im Altstadtbereich nicht sehr breit. Zwischen den beiden Hauptstrassenbrücken hat man Schwimmstege für Sportboote zu Wasser gelassen. Die quicklebendige Stadt, deren bunte Mischung von Bauwerken vieler Epochen lässt nichts von den kriegerischen Überresten auf den Hügeln und Hängen zu beiden Seiten des Maastales ahnen. Bis Verdun ging es durch Orte wie Brabant sur Meuse, Samogneux, Charny sur Meuse, Belleville sur Meuse (hier befand sich der Supermarkt). Nach einem gemeinsamen Essen ist Michael dann um 18 Uhr wieder mit dem Auto nach Hause gefahren. Wir blieben die Nacht in Verdun, der Welthauptstadt des Friedens. Die stille Schönheit der Landschaft steht hier im krassen Gegensatz zu den kriegerischen Grausamkeiten, die sich hier in allen Zeiten ereignet haben. Das schrecklichste Schlachten fand hier im sogenannten Stellungskrieg im Ersten Weltkrieg statt (mehr als 700.000 Menschen verloren ihr Leben!!). Aber auch im deutsch-französischen Krieg 1870/71 und im Zweiten Weltkrieg herrschten Tod und Zerstörung. Kampfstätten des Ersten Weltkrieges befinden sich auf dem linken und vor allem auf dem rechten Maasufer. Bei einer beschaulichen Bootsfahrt durch diese Gegend darf man sich heute glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, in der man friedlich an den Schätzen dieses Landes teilhaben darf. Abends schlenderten wir durch Verduns Gassen und kehrten in einem Bistro ein.  Während wir dort saßen gab es einen Wolkenbruch, den wir abwarteten, bevor wir uns zur Nachtruhe wieder an Bord begaben. Schade, dass der Aufenthalt hier nur so kurz ist; aber wir kommen hier bestimmt noch einmal wieder her.

Donnerstag, den 6.5.2004

Um kurz nach 9 Uhr sagten wir der Stadt Verdun „Ade“. Bis St. Mihiel haben wir mit einem Segelboot aus Krefeld, der „Rebecca“ geschleust. Die Crew wollte in den Süden ans Mittelmeer. Im gemächlichen Tempo fuhren wir weiter. Auf so einer Fahrt wird man ruhig und entspannt, kann Atem holen. Vorbei ging es an Belleray und Dugny sur Meuse, Dieue sur Meuse, Fort de Genicourt und Genicourt vorbei. Bis St. Mihiel passierten wir so viele kleine verwunschene Dörfer und kleinere Städtchen. Am liebsten würde ich überall anlegen und mir diese Orte ansehen. Beim Vorbeigleiten hört man hier einen Hund bellen, ganz von Ferne einen Traktor fahren oder das Muhen der Kühe. In St. Mihiel haben wir an dem kleinen Steg unter der Brücke wir für die Nacht festgemacht. Nach einem leckeren Essen an Bord haben wir uns St. Mihiel angesehen und sind danach am Kanal Fahrrad gefahren. Kalkfelsen stehen hier dicht am Ufer der Maas. Das umliegende Waldgebiet gehört zum Parc naturel regional de Lorraine (Naturpark Lothringen). Das 16. Jahrhundert war für St. Mihiel ein goldenes Zeitalter. Tuchmacher und Goldschmiede ließen sich hier nieder und es entstand die berühmte Bildhauerschule unter ihrem Lehrer Ligier Richier (1500-1567). In der Kirche sieht man die berühmte Grablegung Christi. ssl und Dugny sur Meuse.weiter. pa tagspause. Zum Abschluss besuchten wir die Falaises, die sich auf der rechten Uferseite befinden. Sieben über 20 Meter hohe Kalksteinfelsen. Von hier überblickt man ganz St. Mihiel und die Umgebung.

 

 

 

Freitag, den 7.5.2004

Bei bewölktem und windigen Wetter haben wir um kurz vor 9 Uhr abgelegt. Um 13.40 Uhr verließen wir den Canal de l’Est und fuhren auf dem Rhein-Marne-Kanal weiter. Der Canal de l’Est wurde nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1874 bis 1882 erbaut, um westlich der besetzten Gebiete Elsass und Lothringen eine Nord-Süd-Verbindung für die Industriegebiete um Nancy und Toul auf dem Wasser zu schaffen. Der Kanal verbindet die kanalisierte Maas in Belgien mit der Mosel und der Saone in Frankreich. Vor dem Schleusenmarathon (18 Schleusen hintereinander) auf dem Rhein-Marne-Kanal passierten wir Orte wie Bislee und Han sur Meuse. Dahinter folgte der Tunnel von Koers mit einer Länge von nur 50 Metern; dann die Orte Sampigny, Vadonville, Commercy, Euville. Bis Toul folgten dann noch Vertuzey, Troussay, Pagny sur Meuse und Foug. In Toul haben wir in dem schönen Sportboothafen Porte de France angelegt. Natürlich haben wir uns bei der VNF gemeldet (Sprechsäule an der Schleuse) und mitgeteilt, dass wir heute Nacht in Toul bleiben und erst morgen weiter wollen. Der Porte de Plaisance befindet sich zwischen den Schleusen 25 und 26 in der Nähe des Bahnhofs. An seinem Rand hat man zwei liebevoll angemalte Lokomotiven ausgestellt, mit denen eine Zeitlang die Penichen gezogen wurden. Mit Freude sahen wir, dass es hier Duschen gibt, aber, wie uns die Hafenmeisterin beim Abkassieren der Liegegebühr mitteilte, leider nur mit kaltem Wasser. Toul liegt zwischen dem Rhein-Marne-Kanal, der unmittelbar an den alten Festungsmauern der Stadt vorbei fließt, und der Mosel. Hier beschreibt die Mosel plötzlich einen engen Bogen nach Nordosten. Früher setzte er seinen Lauf nach Westen fort und mündete in die Maas. Durch tiefgreifende Veränderungen des Bodenreliefs während der Eiszeit wurde die Mosel gezwungen, einen anderen Verlauf zu nehmen. Im Westfälischen Frieden von 1648 kam Toul zu Frankreich und wurde danach von Vauban zu einer der stärksten Festungen des Landes ausgebaut. Von diesen Festungswällen ist nur noch die Porte de Metz erhalten. In der Stadt entdeckt man schöne alte Renaissancehäuser. Die Kathedrale war wegen Renovierung geschlossen. Der Orkan im Dezember 1999 deckte das Dach der Kathedrale ab. Die großartige Fassade ist ein herrliches Beispiel des Flamboyantstils. Von dem sehr weiträumigen Kreuzgang aus dem 13. und 14. Jahrhundert (einem der größten Frankreichs), den wir uns ansehen konnten,  sind nur noch drei Galerien erhalten.

Samstag, den 8.5.2004

Es hat die ganze Nacht geregnet und gestürmt. Morgens regnete es immer noch und auch der Wind war sehr stark. Trotzdem legten wir um 9.30 Uhr in Toul ab. Aber weit sind wir heute nicht gekommen, genau genommen nur 24 Kilometer und 6 Schleusen.  In einer musste unsere Helena wieder Lack lassen, weil uns der Wind gegen die Schleusenmauer gedrückt hat. Gut durchnässt, weil es bei jedem Schleusenvorgang natürlich immer ein wenig mehr regnete, haben wir in Pompej schon um 13.15 Uhr angelegt. Bis auf einen kleinen Abend-Spaziergang verbrachten wir den ganzen Nachmittag bei Regen an Bord. Wir hatten einem gemütlichen Faulenzernachmittag verbracht. Draußen war es nass und kalt und drinnen brummte unsere Standheizung. Und interessante Dinge konnten wir beobachten: Eine Entenfamilie mit 9 Jungen schwamm im Schutz des Ufers und zwei Wasserratten spielten im seichten Wasser und kletterten in den Bäumen umher. Nicht zu glauben – aber wir haben sie klettern sehen!

Das Moseltal ist hier weit und offen Wir fuhren an Gondreville vorbei. Zwischen den Schleusen Fontenoy sur Moselle und Aingeray steht ein Wasserturm mitten in der Mosel,  allerdings unübersehbar und am Rande der hier deutlich betonnten Fahrrinne. Wir kamen vorbei an Liverdun. Lothringen zeigt sich hier von seiner derzeit armen und verschlossenen Seite, kein Wunder. Die wirtschaftlichen Folgen der Stahlkrise sind immer noch nicht beseitigt, und die Leute haben andere Sorgen, als Fremden gegenüber freundlich zu sein. Die Mosel fließt nun weiter nach Westen, mitten zwischen den beiden Arbeitersiedlungen Pompey auf dem linken Ufer und Frouard auf dem rechten hindurch. Hier in der Höhe von Pompey mündet übrigens die Meurthe in die Mosel, die dem Departement den Namen gab: Meurthe et Moselle.

Sonntag, den 9.5.2004Mein letzter Tag an Bord! Wir haben lange geschlafen und somit heute morgen recht früh (schon um 8.15 Uhr) abgelegt. Es war zwar immer noch bewölkt, und auch ein paar Tropfen Regen fielen, aber zum Glück hatte sich der Wind gelegt. Wir wollten heute bis Metz fahren und mussten vier Schleusen passieren. Natürlich fing es während des Schleusens jedes Mal an zu regnen. Kurz vor Metz klarte

jedoch der Himmel auf und die Sonne lachte vom Himmel – also ob sie mir den Abschied nicht so schwer machen wollte. Um 14.15 Uhr legten wir im Sportboothafen von Metz an. Nachdem ich uns ein wenig zu Essen zubereitet hatte, ging ich zum Hafenbüro und zahlte für eine Nacht die Liegegebühr von 10,-- Euro. Und endlich wieder duschen mit warmen Wasser. Metz hat zwar noch andere Liegeplätze, aber der schönste Liegeplatz ist der im Herzen der Altstadt, wo wir lagen. Heute Abend kommt Sohnemann Michael und löst mich ab. Crew-Wechsel, weil ich ja schon morgen wieder arbeiten muss.

Bis Metz fuhren wir vorbei an Custines, Millery, Belleville, Autreville sur Moselle, Dieulouard, Pont-a-Mousson, Pagny sur Moselle, Noveant sur Moselle, Corny sur Moselle und Gorze mit seinem römischen  Aqueduc romain de Gorze a Metz. Man sieht sieben Bögen einer römischen Wasserleitung aus dem 1. Jahrhundert n.Chr., welche die Stadt Metz versorgte. Metz ist die Stadt der Lichter, Stadt der Kunst und vor allem Stadt der Gärten. Sie ist stolze Trägerin des europäischen Preises für Stadtbegrünung. Die schönsten Spaziergänge durch Metz aber macht man abends, wenn sich die Stadt in den Glanz von tausend Lichtern hüllt. Eine Spezialität der Stadt sind Mirabellen, mal in Marzipan mal als Mirabellengeist. Übrigens findet in Metz am ersten und dritten Samstag im Monat ein riesiger Flohmarkt statt; im Juni gibt es großen Straßenverkauf (Ete du livre) und das Mirabellenfest ist Ende August bis Anfang September. Metz ist Hauptstadt des Departements Moselle. Kaiser Wilhelm der Zweite demütigte die 1871 eroberte Stadt durch den Bau eines neogotischen Bahnhof (dessen Vorplatz übrigens seit 1998 in neuem Glanz erstrahlt, sehr schön), der noch heutigen Ansprüchen genügt. Er ließ ihn so anlegen, dass er hoch zu Ross bis zu seinem Salonwagen reiten konnte. Unter diesem jetzt neuen Platz verschwand jedoch das Ruinenfeld des größten Amphitheaters diesseits der Alpen, wahrscheinlich einst größer als die Arenen von Arles und Nimes.

Montag, 10. 5.2004

Als Jürgen und Michael um 11.15 Uhr in Metz ablegten, war ich bereits wieder im Büro.  Die beiden wollten heute bis Thionville fahren und dort über Nacht zu bleiben.  Aufgrund der starken Strömung im dortigen Yachthafen war es nicht möglich anzulegen – es hätte nicht viel gefehlt, und sie hätten einen Brückenpfeiler gerammt. Der Grund dieser starken Strömung war nicht eindeutig erkennbar, eventuell wurde ein Wehr geöffnet - nicht empfehlenswert! Also fuhren die beiden weiter Cattenom und legten dort an einem ausrangierten Ausflugsschiff für die Nacht an. In Cattenom wurde dann noch eingekauft. Vorbei ging es an Malroy la Maxe, Hauconcourt, Mondelange, Thionville, Cattenom mit seinem Atomkrafttwerk.

Dienstag, den 11.5.2004

Es wurde um 9.45 Uhr in Cattenom abgelegt. Dann ging vorbei an Berg sur Moselle, Sierck-les-Bains und Apach, der letzte Ort in Frankreich. In Luxemburg, wo die Mosel die Grenze darstellt, ging es vorbei an Schengen, Remerchen und Besch-Kleinmacher (an der deutschen Moselseite) bis Schwebsingen in Luxemburg. An der hiesigen Bootstankstelle wurden 152,87l Diesel gebunkert. Im Nachbarort Wintrange wurden Ersatzteile für das Boot gekauft (Stecksatz für Positionsbeleuchtung). Anschließend Weiterfahrt bis Nennig an der deutschen Moselseite, wo Michael und Jürgen um 15.20 Uhr festmachten.

Mittwoch, den 12.5.2004

Um 8.30 Uhr wurde in Nennig abgelegt. Auf der luxemburgischen Mosel ging es vorbei an Remich, Stadtbrediumus, Ehnen, Wormeldange, Ahn, Machtum, Grevenmacher mit seinem Schmetterlingsgarten, Mertert mit seinem Flusshafen bis Wasserbillig, dem letzten Ort in Luxemburg. Von nun an fuhren Jürgen und Michael auf der deutschen Mosel über Igel bis zum Sportboothafen Trier-Monaise, wo sie dort um 12.50 Uhr angelegt haben. Abends habe ich die beiden auf dem Boot besucht. Michael hat gekocht.

Donnerstag, den 13.5.2004

Um 9 Uhr ging es von Monnaise aus los zur letzten Etappe. In Trier war die Sportbootschleuse zu benutzen (Abmessungen 3,40mx18 m und einer Hubhöhe von 7,75 m). Unsere „Helena passt dort so gerade rein, denn sie ist 3,10 Meter breit! Jürgen und Michael passierten Deutschlands älteste Stadt: Trier. Verwunderlich war es nur, dass es in Trier keinen einzigen Anleger für Sportboote gibt. Für eine Stadt wie Trier ist das sehr traurig! Um 12 Uhr mittags sind die beiden im Heimathafen Schweich angekommen und haben von unserem Hafenmeister Günter einen Liegeplatz zugewiesen bekommen. Unsere „Helena“ liegt nun an der Mosel. Insgesamt wurden auf diesem Törn 110 Schleusen passiert und eine Strecke von 625 Kilometer zurückgelegt. Es waren wunderschöne zwei bzw. drei Wochen. Schade, dass die schönste Zeit im Jahr immer so schnell vorbei geht. Für 2005 haben wir die Sauerkrauttour geplant.

Jürgen und Sylvia Rüffer

 
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